Ihr Leitfaden: Wann Softwareentwicklung als Forschung gilt, wie hoch die Förderung ausfällt und wie der BSFZ-Antrag beim ersten Mal genehmigt wird.
Die Forschungszulage (§ 27a EStG / FZulG) ist eine steuerliche Förderung für Unternehmen, die Forschung und Entwicklung (FuE) betreiben. Anders als klassische Förderprogramme ist sie branchenunabhängig, nicht an Projektausschreibungen gebunden und wird als Steuergutschrift ausgezahlt — auch bei Verlust.
Das bedeutet: Jedes Unternehmen, das innovative Software entwickelt, kann die Forschungszulage beantragen — unabhängig von Größe, Umsatz oder Gewinn.
Kernprinzip: Nicht das Produkt wird gefördert, sondern der Forschungsprozess. Entscheidend ist nicht, was Sie bauen, sondern welche technischen Fragen Sie dabei beantworten müssen.
Nicht jede Softwareentwicklung ist förderfähig. Die BSFZ prüft anhand der Frascati-Kriterien der OECD, ob ein Vorhaben als FuE gilt. Die fünf Kriterien:
| Kriterium | Was die BSFZ prüft |
|---|---|
| Neuartigkeit | Wird neues Wissen geschaffen oder bestehendes erweitert? „Erstmalig" ist ein Schlüsselwort. |
| Kreativität | Ist der Lösungsweg nicht offensichtlich? Kein Standard-Vorgehen. |
| Ungewissheit | Könnte der Ansatz technisch scheitern? (Nicht: Budget/Zeit-Risiko) |
| Systematik | Wird planmäßig vorgegangen? (Forschungsphasen, Methodik) |
| Übertragbarkeit | Sind die Ergebnisse reproduzierbar und dokumentiert? |
| Vorhaben | Förderfähig? | Warum? |
|---|---|---|
| Eigenes ML-Modell für Anomalieerkennung | ✓ Ja | Technische Ungewissheit: Accuracy unklar |
| Neue Plattform-Architektur mit Edge-KI | ✓ Ja | Neuartige Kombination, Latenz unsicher |
| RL-basierte Personalisierung | ✓ Ja | Konvergenz der Methode unsicher |
| Website mit Standard-CMS bauen | ✗ Nein | Keine technische Ungewissheit |
| ChatGPT-API per Standard integrieren | ✗ Nein | Bekannte Tools, Standard-Anwendung |
| App in React Native umschreiben | ✗ Nein | Port, kein neues Wissen |
Unser Quick-Check prüft in 2 Minuten, ob Ihr Vorhaben die Frascati-Kriterien erfüllt.
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| Parameter | Bisher | Ab 2026 |
|---|---|---|
| Bemessungsgrundlage | 4 Mio. € | 12 Mio. € |
| Fördersatz KMU | 25% | 35% |
| Fördersatz Großunternehmen | 25% | 25% |
| Gemeinkostenpauschale | — | 20% auf Personalkosten |
| Max. Förderung KMU | 1 Mio. € | 4,2 Mio. € |
Rechenbeispiel: 5 Entwickler × 85.000 € Gehalt = 425.000 € Personalkosten + 20% Gemeinkostenzuschlag = 510.000 € Bemessungsgrundlage × 35% (KMU) = 178.500 € Förderung pro Jahr.
Als GmbH-Gesellschafter-Geschäftsführer mit Anstellungsvertrag ist Ihr Gehalt anteilig förderfähig — für die Stunden, die Sie tatsächlich an FuE arbeiten. Voraussetzung: Das Gehalt muss dem Fremdvergleich standhalten (Angemessenheitsprüfung).
Der fiktive Unternehmerlohn von 100 €/Stunde ab 2026 (max. 40 Stunden/Woche) gilt nur für Einzelunternehmer und Personengesellschaften ohne Anstellungsvertrag.
Der Antrag an die Bescheinigungsstelle Forschungszulage (BSFZ) besteht aus 5 Pflichtfeldern, die zusammen nur ca. 4.500 Zeichen umfassen. Die Kunst liegt in der Formulierung:
| Feld | Zeichen | Worauf die BSFZ achtet |
|---|---|---|
| 1. Ziel | 1.500 | Forschungsfrage (nicht Produktbeschreibung), „erstmalig", Wissenslücke |
| 2. Stand der Technik | 500 | Technologische Abgrenzung, nicht Marktposition |
| 3. Arbeiten | 1.000 | Konkrete Methoden (K-Means, CNN, PPO), nicht Tools (Python, AWS) |
| 4. Auftragnehmer | 500/St. | Falls Auftragsforschung: Leistungsbeschreibung |
| 5. Unsicherheiten | 1.000 | Mind. 3 technische Risiken mit Scheitern-Szenarien |
Häufigster Ablehnungsgrund: Das Vorhaben liest sich wie ein Projektplan, nicht wie Forschung. Die Lösung: Jeder Satz muss die Frage beantworten „Was wissen wir noch nicht?" statt „Was bauen wir?".
Kommt darauf an. Wenn Sie ein vortrainiertes Modell mit einem Standard-Framework finetunen, ist das in der Regel keine FuE. Wenn Sie jedoch eine eigene Trainingsmethodik entwickeln, mit domänenspezifischen Daten experimentieren müssen oder die Übertragbarkeit auf Ihre Domäne unklar ist — dann kann es förderfähig sein.
Ja. Sie können Anträge für laufende und abgeschlossene Wirtschaftsjahre stellen, solange die reguläre Steuererklärung noch nicht bestandskräftig ist. In der Praxis sind rückwirkende Anträge für die letzten 2–3 Jahre möglich.
Formal nicht. Aber die Ablehnungsquote bei selbst eingereichten Anträgen liegt deutlich höher, weil die Frascati-konforme Formulierung Erfahrung erfordert. Ein spezialisierter Berater rechnet sich meist schon ab einer Fördersumme von 20.000 €.